Herr Bleul, Sie sind vom deutschsprachigen Raum über Lettland bis Thailand in vielen Regionen dieser Welt unterwegs. Hin und wieder sind Sie mit stillstehenden Holzgas-Anlagen verschiedener Hersteller konfrontiert. Was läuft bei diesen Projekten schief?

Oftmals wird die Kaufentscheidung nur über die Investitionskosten und Garantien der Hersteller getroffen. Es gibt auch Ausschreibungsprojekte, welche keine Laufzeitreferenzen sondern nur Laufzeitgarantien einfordern. Reale Laufzeiten von Kundenanlagen im mehrjährigen Betrieb werden dabei nicht betrachtet.
Da es relativ einfach ist, eine Holzgasanlage für einige hundert Stunden zum Laufen zu bringen, wird oft auch nur eine eigene Demonstrationsanlage vorgezeigt. Das spiegelt sich dann auch in den gescheiterten Projekten wieder: Nach einigen Monaten und zahllosen Versuchen, die Anlagen zu betreiben, bleibt nichts anderes, als alles stillzulegen. Oder man ist gezwungen, die Anlage defizitär zu betreiben, wenn bereits Verträge über Wärme- oder Stromlieferungen bestehen.

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Kriterium für eine kluge Kaufentscheidung?

Vor der Kaufentscheidung sollte man sich Referenzen ansehen und sich ein Bild machen, ob diese Technik am eignen Standort umgesetzt und betrieben werden kann. Denn am besten lässt sich die Effizienz einer Anlagen an bestehenden Anlagen betrachten: Wie viel Holz wird benötigt? Wie viel Entsorgungskosten fallen an? Gibt es wirklich einen Markt, welcher anfallende „Biokohle“ dauerhaft zu einem bestimmten Preis abnimmt? Wie viel Arbeitseinsatz erfordert die Anlage? Wie hoch sind die laufenden Kosten?

Man sollte auch auf schriftliche und belastbare Nachweise über die Laufzeit und Nettostromeinspeisung von Kundenanlagen bestehen.

Kann ich denn als künftiger Betreiber einfach so einen Effektivitätsnachweis anfordern?

Selbstverständlich. Durch jeden Kunden, der bereit ist, die Abrechnungen mit seinem Netzbetreiber zur Verfügung zu stellen, lässt sich ein genaueres Bild über die Leistungsfähigkeit der Anlagen erstellen. Wir als Hersteller sehen uns in der Pflicht, diesen Nachweis einem potentiellen Kunden zu übermitteln. Erstens als Beleg für die Verfügbarkeit unserer Anlagen und zweitens, damit ein Vergleich mit einem Mitbewerber auch auf Fakten beruht.

Wenn ein Unternehmen solch eine Expertise und Qualität nachweisen kann, gibt es sicherlich eine gute Prognose für ein Holzgas-Projekt. Dennoch kann manchmal etwas schiefgehen. Welchen Service/welche Instandhaltungsmaßnahmen bieten Sie als Spanner Re² ihren Kunden an?

Der wichtigste Aspekt für uns ist, die Kunden dazu zu befähigen, die Anlagen möglichst selbständig zu betreiben. Dafür bieten wir sowohl Schulungen bei uns im Haus als auch vor Ort bei den Anlagen. Bei Großprojekten bieten wir auch eine Vollwartung oder eine gemeinsame Betreuung über einen gewissen Zeitraum an.

Und bei gescheiterten Projekten, die Sie im In- und Ausland erleben – gibt es da überhaupt Lösungsansätze für die Betreiber?

Der Businessplan bei diesen Investitionen erlaubt eigentlich nie eine komplette Neuinvestition. Deswegen versuchen wir, so viele bestehende Komponenten wie möglich in das Repowering mit einzubeziehen. Das kann zum Beispiel die Trocknungs- und Fördertechnik sein als auch unter Umständen das BHKW. Somit ergibt sich durchaus die Möglichkeit, diese Projekte zu „retten“. Das wurde mit unserer Technik so bereits schon in Deutschland, Italien, England und Japan gemacht. Die Investition in das Repowering selbst weist dann eine sehr kurze Amortisationszeit auf.

 Portraitbild Thomas Bleul 2017

 
     

Thomas Bleul, Jahrgang 1969, ist studierter Maschinenbauingenieur. Seit 2006 ist er Geschäftsführer der Spanner Re2.

Das niederbayrische Unternehmen hat in verschiedenen Regionen Europas, Amerikas und Asiens ca. 750 Holzgas-Anlagen realisiert.